FAQ

Häufige Fragen

Antworten zu Ladungsbetrug und zur Prüfung — erst die fachlichen Fragen aus der Praxis, dann die zu Software, Tarifen und Zugang.

Fragen zu LadungsbetrugFragen zu Software und Tarifen

Ladungsbetrug: die Fragen aus der Praxis

Die Fragen, die uns Disponentinnen und Disponenten am häufigsten stellen — in Seminaren, am Telefon und im Schadenfall.

Was ist Ladungsveruntreuung — und wo liegt der Unterschied zum Ladungsdiebstahl?

Beim klassischen Ladungsdiebstahl wird gewaltsam eingebrochen — etwa durch Aufschlitzen der Plane auf einem ungesicherten Rastplatz. Bei der Ladungsveruntreuung passiert das Gegenteil: Die Ware wird völlig freiwillig übergeben, weil sich die Täter erfolgreich als legitimer Frachtführer ausgegeben haben.

Genau das macht diese Form so schwer zu erkennen — es gibt keinen Einbruch, keine Spuren, keinen Moment, in dem etwas offensichtlich falsch aussieht. Der Schaden fällt erst auf, wenn die Ware am Zielort nicht ankommt.

Was ist ein Phantom Carrier?

Ein Fake-Frachtführer — ein Unternehmen, das es so nicht gibt. Die Täter stehlen entweder die Identität einer real existierenden Spedition oder gründen eine Scheinfirma mit gefälschten Dokumenten. Der Ablauf folgt häufig demselben Muster:

  1. Vorbereitung: Identität stehlen oder Scheinfirma aufbauen
  2. Auftragsakquise: auf Frachtenbörsen gezielt hochpreisige oder leicht veräußerbare Güter suchen und den Marktpreis leicht unterbieten
  3. Täuschung: Firmenname, Kontaktdaten, Kennzeichen und Fahrzeugdaten werden gefälscht — oder es erscheint ein echter Frachtführer, der einen ganz anderen Zielort beauftragt bekommen hat
  4. Abholung: Der Lkw erscheint an der Ladestelle, äußerlich stimmt alles
  5. Verschwinden: Sobald das Fahrzeug das Gelände verlassen hat, bricht der Kontakt meist unmittelbar ab
Was bedeutet Double Brokering?

Ein Auftrag wird angenommen, aber nicht selbst gefahren. Stattdessen stellt der Auftragnehmer denselben Auftrag unter eigenem Namen erneut in eine Frachtenbörse ein und vergibt ihn zu einem etwas höheren Preis an einen Dritten. Der holt die Ware ganz regulär ab. Vor oder während des Transports wird die Lieferadresse geändert — abgeliefert wird im guten Glauben bei den Tätern oder in einem fremden Lager.

Dahinter müssen keine Kriminellen stehen. Auch echte Frachtführer geben Aufträge unkontrolliert weiter. Wer abgeliefert hat, geht leer aus; die ursprünglich beauftragte Spedition haftet im Regelfall gegenüber ihrem Auftraggeber. Je länger und unkontrollierter die Kette an Subunternehmern wird, desto größer Ihr Kontrollverlust über die Ladung.

Woran erkenne ich einen Betrugsversuch, bevor der Lkw an der Rampe steht?

An mehreren Stellen gleichzeitig — ein einzelnes Merkmal beweist nichts, mehrere zusammen sind ein deutliches Signal:

  • Kennzeichen: Steht das avisierte Kennzeichen nicht in der Versicherungsbestätigung, ist das ein Alarmsignal. Auch Land und Region müssen zur Registrierung passen.
  • Domain: Verwechselbare Adressen, bei denen ein kleines „l“ durch ein großes „I“ ersetzt wurde oder aus „.de“ ein „.com“ wird.
  • E-Mail: Freemail-Adressen oder Firmennamen mit einem zusätzlichen Buchstaben.
  • Telefon: Ortsvorwahl passt nicht zum angegebenen Sitz, oder es gibt keine Durchwahl — bei einem größeren Betrieb praktisch unmöglich.
  • Referenzen: Antworten binnen Minuten, überschwängliches Lob, Adressen mit falscher Domain-Endung.
  • Preis: Ein Angebot deutlich unter Marktniveau.
Der Frachtführer wechselt kurz vor dem Ladetermin das Fahrzeug. Wie ernst ist das?

Sehr ernst. Der Fahrzeugwechsel kurz vor dem Ladefenster gehört zu den häufigsten Alarmsignalen überhaupt. Die Begründungen klingen dabei immer plausibel: Das Fahrzeug wird an der letzten Entladestelle nicht leer, ein Unfall unterwegs, eine Erkrankung des Fahrpersonals, ein technischer Defekt — gefolgt von der prompten Erlösung „Aber wir haben doch Ersatz organisiert“.

Das Problem: Das Ersatzfahrzeug steht meist nicht in der Versicherungsbestätigung und lässt sich oft weder dem Land noch der Region noch diesem Frachtführer zuordnen. Genau der Zeitdruck in der Disposition wird dabei ausgenutzt. Stoppen Sie den Auftrag, bis das geklärt ist.

Wir haben mit dem Frachtführer schon erfolgreich zusammengearbeitet. Reicht das nicht als Sicherheit?

Nein — und das ist das perfideste Muster überhaupt. Bei der sogenannten Vertrauensfalle laufen der erste und zweite Transport völlig korrekt ab, es gibt sogar eine echte Rechnung. Dann fragt der vermeintliche Frachtführer nach weiteren Möglichkeiten und hat wie zufällig sofort ein Fahrzeug genau dort verfügbar, wo Sie es brauchen. Die dritte oder vierte Sendung verschwindet.

Jeder neue Auftrag verdient dieselbe Sorgfalt wie der allererste.

Eine Ladung ist nicht angekommen. Was tun wir in den ersten Stunden?
  • Rufen Sie an, statt zu schreiben — schriftlich dauert es zu lange.
  • Halten Sie Frachtbrief und Auftragsunterlagen bereit, notieren Sie alle Kontaktdaten des Frachtführers.
  • Löschen Sie nichts, auch keine E-Mails. Was heute belanglos wirkt, ist morgen das Beweismittel.
  • Erstatten Sie Anzeige — mit vollständiger Tatbeschreibung, Beweismitteln und einer nachvollziehbaren Schadenaufstellung.
  • Melden Sie den Fall Ihrem Versicherer und beachten Sie die Fristen (siehe nächste Frage).
Welche Fristen muss ich kennen?

Bei grenzüberschreitenden Transporten gilt die CMR:

  • Artikel 30: Die Schadenrüge muss bei äußerlich erkennbaren Schäden sofort bei Ablieferung erfolgen, bei verborgenen Schäden binnen sieben Tagen.
  • Artikel 32: Ansprüche verjähren grundsätzlich nach einem Jahr, bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit nach drei Jahren.

Versäumte Fristen schwächen vor allem Ihre Position gegenüber der Versicherung — selbst dann, wenn der eigentliche Täter ohnehin nicht mehr belangbar ist. Das ist keine Rechtsberatung; im konkreten Fall gehört eine Juristin oder ein Jurist dazu.

Kann ich den Täter zur Haftung heranziehen?

Rechtlich ja, wirtschaftlich fast nie. In aller Regel handelt es sich um eine Scheinfirma ohne Vermögen, um eine gestohlene Identität, um einen Strohmann, der nach der Tat verschwindet, oder um ein Unternehmen im Ausland, das faktisch nicht mehr erreichbar ist.

Ein Anspruch gegen einen Schuldner, den Sie nicht finden oder der kein Geld hat, ist wertlos. Die zivilrechtliche Verfolgung ist kein Sicherheitsnetz, auf das Sie sich verlassen dürfen.

Zahlt im Schadenfall nicht ohnehin die Versicherung?

Darauf sollten Sie sich nicht verlassen. Immer mehr Speditionsversicherer nehmen Ladungsveruntreuung — also den Betrug durch vorgetäuschte Identität — ganz aus dem Deckungsumfang heraus oder versichern sie nur noch gegen deutlich höhere Selbstbehalte, weil Schadenzahlen und -summen branchenweit steigen.

Prüfen Sie Ihre eigene Police auf zwei Punkte: Ist Ladungsveruntreuung als Ursache überhaupt eingeschlossen, und wie hoch ist der Selbstbehalt für diesen Schadentyp? Zu bedenken ist außerdem die gesetzliche Haftungshöchstgrenze der CMR von rund 8,33 Sonderziehungsrechten je Kilogramm Rohgewicht — bei Elektronik oder Pharma oft nur ein Bruchteil des tatsächlichen Schadens.

Software, Tarife und Zugang

Was die Prüfung leistet, was sie nicht leistet und wie Sie an sie herankommen.

Was genau prüft cargo protection?

Jede Prüfung durchläuft alle vier Module: Firmendaten, Dokumente, Fahrzeugdaten und operative Daten. Abgeglichen werden dabei Register- und Lizenzdaten des Frachtführers, die vorgelegten Unterlagen, Kennzeichen und Fuhrpark sowie Preise, Termine und die operative Historie. Fehlende Dokumente werden dabei als mögliches Risiko gewertet.

Daraus entsteht der cp-score zwischen 100 und 600 Punkten — niedrig ist gut. Den vollständigen Prüfpfad ansehen

Was leistet die Prüfung ausdrücklich nicht?

Eine offene Einordnung ist uns wichtiger als ein Versprechen, das im Schadenfall nicht trägt:

  • Behördliche Daten können wir nicht prüfen — sie stehen privaten Unternehmen nicht offen. Wir arbeiten mit den Quellen, die uns zugänglich sind: eine ergänzende Prüfschicht, keine amtliche Auskunft.
  • Ein sauberes Ergebnis heißt, dass zum Zeitpunkt der Prüfung keine Auffälligkeiten erkennbar waren. Es ist keine Bonitäts- oder Versicherungszusage.
  • Übernommene Identitäten bestehender Unternehmen sind der schwierigste Fall. Dort tragen die Module Dokumente, Fahrzeugdaten und operative Daten die Prüfung — und die Meldungen aus dem Netzwerk.
Ersetzt die Prüfung meine eigene Sorgfalt?

Nein. Ein hoher Score ist kein Beweis für Betrugsabsicht, ein niedriger keine Garantie. Das cp-rating ist eine Entscheidungshilfe für die Disposition, die den eigenen Prüfblick ergänzt und nicht ersetzt — und die letzte physische Kontrolle findet ohnehin an Ihrer Rampe statt.

Wie lange dauert eine Prüfung?

In der Regel unter einer Minute. Sie laden Transportangebot, Frachtpapiere, Korrespondenz oder das gesamte E-Mail hoch, die Texterkennung liest die Daten aus, sie werden mit den verfügbaren Quellen abgeglichen und nach den Prüfregeln aller vier Module bewertet. Der Bericht steht anschließend als PDF mit spezifischen Anmerkungen bereit und bleibt im Konto gespeichert.

Reicht eine Prüfung je Vorgang?

Nein — und Sie sollen denselben Vorgang ausdrücklich mehrfach prüfen, vom Erstkontakt bis unmittelbar vor der Vergabe.

Zwischen erster Anfrage und Beauftragung kommen Nachrichten dazu, werden Unterlagen nachgereicht, wird kurzfristig das Fahrzeug gewechselt. Wer nur zu Beginn prüft, bewertet einen Stand, den es bei der Vergabe nicht mehr gibt. Die monatlichen Kontingente der Tarife sind darauf ausgelegt — schon der Tarif Basis umfasst 250 Prüfungen im Monat. Zum Ablauf einer Prüfung

Kann ich die Software zuerst ausprobieren?

Ja. Nach der Anmeldung stehen Ihnen 5 Prüfungen kostenlos zur Verfügung. Geben Sie dabei Ihre UID-Nummer an, die Sie als Unternehmen ausweist, sind es 20 — genug, um den Prüfpfad an eigenen Vorgängen auszuprobieren. Sie brauchen dafür weder Zahlungs- noch Kartendaten, keinen Vertrieb und kein Verkaufsgespräch.

Erst wenn Sie ein Paket buchen, kommt eine Zahlungsart ins Spiel — der Zugang dazu ist dann ebenfalls sofort freigeschaltet.

Was kostet die Nutzung?

Es gibt vier Tarife, die sich im Prüfvolumen, in der Zahl der Benutzerkonten und in den Zusatzleistungen unterscheiden. Das monatliche Kontingent reicht von 250 Prüfungen im Tarif Basis bis 5.000 im Tarif Professional. Alle enthalten den vollständigen Prüfpfad, jährliche Zahlung spart zwei Monate. Gezahlt wird per Karte über Stripe. Zur Preisübersicht

Wie lange läuft der Vertrag, und wie kündige ich?

Die Vertragslaufzeit richtet sich nach dem gewählten Paket und beträgt einen Monat oder zwölf Monate. Danach verlängert sie sich automatisch um dieselbe Dauer — es sei denn, Sie kündigen bis einen Monat vor Ablauf. (Das entspricht der Preisübersicht; die AGB sind noch eine Gliederung bis zur Rechtsberatung.)

Für den kostenlosen Testzugang gilt das nicht — dafür wird kein Paket gebucht. Zur Preisübersicht

Wie komme ich an die Schulungsvideos?

Die Videoserie „Stopp: Ladungsveruntreuung“ umfasst fünf Folgen zu je rund zehn Minuten. Ab Tarif Standard ist sie ohne Aufpreis enthalten. Ohne Paket oder mit dem Tarif Basis kostet der Zugang einmalig 79 € zzgl. USt. Der Schulungsbereich in der Anwendung existiert; die öffentliche Mediathek wird noch veröffentlicht.

Zu jeder Folge gehört ein kurzer Test. Wer ihn besteht, erhält eine Teilnahmebestätigung. Die fünf Folgen im Überblick

Was passiert mit den Dokumenten, die ich hochlade?

Jede hochgeladene Datei wird zuerst auf Schadsoftware geprüft. Danach wird sie zur Prüfung verarbeitet. Was aus einer Prüfung in die Bewertung künftiger Anfragen einfließt, ist anonymisiert und lässt keinen Rückschluss auf Ihr Haus zu.

Hochgeladene Unterlagen werden drei Jahre gespeichert und danach gelöscht. Empfänger, die Dokumentinhalt erhalten, stehen auf der Seite zu den Auftragsverarbeitern.

Einzelheiten zu Rechtsgrundlage und Ihren Rechten stehen in der Datenschutzerklärung. Datenschutzerklärung

Ich bin auf einen Fake hereingefallen. Kann ich das melden?

Ja, und es hilft. Jede Masche wird mehrfach gefahren, bevor sie auffliegt — eine Meldung bewahrt die nächste Disposition vor derselben Übergabe. Gemeldet werden kann mit und ohne eingetretenen Schaden, auf Wunsch auch anonym.

Eine Meldung ist keine öffentliche Anschuldigung: Wir veröffentlichen weder den gemeldeten Namen noch Ihre Angaben. Zur Meldestelle

Meine Frage steht hier nicht.

Dann schreiben Sie uns — wir antworten persönlich und nehmen die Frage bei Gelegenheit hier auf. Zum Kontakt

Offene Frage zu einem konkreten Vorgang? Schildern Sie uns kurz die Ausgangslage — bei einer Ladung, die bereits unterwegs ist, bitte telefonisch.

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